DIN 77200 ist die deutsche Normenreihe für Sicherungsdienstleistungen. Sie beschreibt, welche Anforderungen ein Sicherheitsdienstleister erfüllen muss und wie eine Sicherungsdienstleistung erbracht und nachgewiesen wird. Die Norm ist branchenspezifisch: Sie beschreibt nicht ein Managementsystem im Allgemeinen, sondern die Arbeit des Bewachungsgewerbes.
Hinweis
CIBORIUS ist nach DIN 77200-1 und DIN 77200-2 zertifiziert.
Geltungsbereich und Leistungsarten stehen im Zertifikat
Warum die Reihe aus mehreren Teilen besteht
Ein Sicherheitsdienst lässt sich auf zwei Ebenen prüfen, und beide sagen für sich allein zu wenig aus. Die eine Ebene ist das Unternehmen: Organisation, Personalauswahl, Qualifikation, Dienstanweisungen, Dokumentation, Notfallorganisation, Versicherung. Die andere Ebene ist die einzelne Leistung: Was genau wird an einem Objekt getan, mit welcher Qualifikation, in welcher Besetzung, mit welchem Nachweis.
Genau danach ist die Reihe geteilt. DIN 77200-1 richtet sich auf den Sicherungsdienstleister als Unternehmen. DIN 77200-2 richtet sich auf die erbrachte Sicherungsdienstleistung und ihre Leistungsbereiche. Ein Unternehmen kann nach beiden Teilen zertifiziert sein; welche Leistungsarten dabei erfasst sind, weist das Zertifikat aus. Wer eine Zertifizierung in einer Ausschreibung verlangt, sollte deshalb nicht nur nach der Norm fragen, sondern nach dem Geltungsbereich.
Abgrenzung zu § 34a GewO
Diese Unterscheidung wird häufig verwischt, und sie ist die wichtigste in diesem Zusammenhang.
- § 34a GewO ist Gesetz. Wer gewerblich Leben oder Eigentum fremder Personen bewacht, braucht eine behördliche Erlaubnis. Das Personal braucht Unterrichtung oder Sachkundeprüfung, eine Zuverlässigkeitsüberprüfung und den Ausweis. Ohne das darf niemand eingesetzt werden. Es gibt keine Wahl und keine Abstufung — es ist die Untergrenze, nicht ein Merkmal.
- DIN 77200 ist eine Norm. Ihre Anwendung ist freiwillig. Sie wird nicht von einer Behörde verlangt, sondern von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft, die den Betrieb auditiert und die Nachweise einsieht. Sie beschreibt, was ein Dienstleister über die gesetzliche Untergrenze hinaus organisiert und belegt.
Praktisch heißt das: „§ 34a-geprüftes Personal“ ist keine Auszeichnung, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt anbieten zu dürfen. Eine Zertifizierung nach DIN 77200 ist die Aussage, dass ein Dritter die Organisation dahinter geprüft hat. Wer beides gleichsetzt, vergleicht in einer Ausschreibung eine Pflicht mit einem Nachweis.
Was geprüft wird
- Aufbau- und Ablauforganisation, Verantwortlichkeiten, Vertretungsregelungen
- Auswahl, Qualifikation, Einweisung und Fortbildung des Personals
- Dienstanweisungen, Einsatzplanung und Einsatzdokumentation
- Melde-, Alarmierungs- und Notfallketten
- Umgang mit Beschwerden und Vorfällen, Korrekturmaßnahmen
- Datenschutz und Umgang mit fremden Schlüsseln und Zugangsmitteln
- Versicherungsschutz und Einsatz von Unterauftragnehmern
- interne Audits und nachweisbare Verbesserung
Verhältnis zu ISO 9001
ISO 9001 prüft ein Qualitätsmanagementsystem branchenneutral: Ob ein Betrieb seine Prozesse beherrscht, lässt sich damit in jeder Branche feststellen. DIN 77200 prüft die Anforderungen des Bewachungsgewerbes im Einzelnen. Die beiden ersetzen sich nicht, sie beantworten verschiedene Fragen — und sie lassen sich in einem gemeinsamen System führen.
Zertifizierung und Gültigkeit
Die Zertifizierung erfolgt durch eine unabhängige Stelle auf Grundlage eines Audits im Betrieb und an Einsatzorten. Das Zertifikat ist befristet; in der Zwischenzeit prüfen Überwachungsaudits, ob die Anforderungen weiter erfüllt sind. Im Zertifikat stehen der Geltungsbereich und die erfassten Leistungsarten. Ein Zertifikat ohne diese Angaben sagt wenig aus.
Welche Zertifikate CIBORIUS® führt und mit welchem Geltungsbereich, steht unter Qualität und Zertifizierung.