VdS 3138 ist eine zweiteilige Richtlinie der VdS Schadenverhütung GmbH für die Anerkennung von Notruf- und Service-Leitstellen (NSL) und Alarmprovidern (AP). Sie definiert bauliche, technische und organisatorische Anforderungen an Leitstellen, die mittels einer überwachten Sicherungskette Dienstleistungen zur Gefahrenabwehr für Schutzobjekte anbieten.
Eine NSL ist verantwortlich für die Planung, Umsetzung und Aufrechterhaltung der Prozesse innerhalb der Sicherungskette – von der Alarmierung über die Bewertung bis zur Intervention und Dokumentation.
Aktueller Stand der Richtlinie (2026)
- VdS 3138-1 – Teil 1: Anforderungen an NSL und Alarmprovider (baulich, technisch, organisatorisch)
- VdS 3138-2:2014-06 – Teil 2: Verfahren für die Anerkennung von NSL und Alarmprovidern
Die Richtlinie wurde 2013 eingeführt und schließt die Sicherungskette, die mit der DIN EN 50518 (Alarmempfangsstellen) beginnt, aber das weitere Vorgehen in Leitstellen nicht abdeckt.
Ziel und Bedeutung
VdS 3138 bündelt jahrzehntelange Erfahrung im optimalen Gestalten der Sicherungskette und schafft einen einheitlichen Qualitätsstandard für professionelle Leitstellen. Die Richtlinie stellt sicher, dass Gefahrenmeldungen aus überwachten Objekten unverzüglich und sicher an die zuständigen Stellen übertragen werden und präzise, zur spezifischen Lage passende Reaktionen erfolgen.
Die VdS-Anerkennung ist in der Versicherungswirtschaft und bei kritischen Infrastrukturen anerkannt und wird häufig als Voraussetzung für die Aufschaltung von Gefahrenmeldeanlagen gefordert.
Die Sicherungskette nach VdS 3138
Die Sicherungskette besteht aus mehreren Prozessschritten, die miteinander verknüpft sind:
- Technischer Dienst – Empfang, Verarbeitung und Weiterleitung von Gefahrenmeldungen aus Alarmanlagen, erfordert eine zertifizierte Alarmempfangsstelle (AES) nach DIN EN 50518
- Alarmdienst – Bewertung von Gefahrenmeldungen und Einleitung vertraglich vereinbarter Sicherungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Schutzobjektsicherheit
- Interventionsdienst – Durchführung der vereinbarten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr am Schutzobjekt
- Reporting – Dokumentation aller Prozesse und Ergebnisse
Die Sicherungskette beginnt und endet am Schutzobjekt. Alle Prozesse müssen beherrscht und unter definierten Bedingungen durchgeführt werden.
Kernanforderungen
Bauliche Anforderungen:
- Strukturelle Eigenschaften der Räumlichkeiten
- Maßnahmen zur Verhinderung unbefugten Zugangs
- Physische Sicherheit der Einrichtungen
- Geschützte Lage und Zugangskontrolle
- Sichere Aufbewahrung von Schließmitteln und Interventionsplänen
Technische Anforderungen:
- Zertifizierte Alarmempfangsstelle (AES) nach DIN EN 50518
- Gefahrenmanagementsystem (GMS) mit Zugangs- und Berechtigungsverfahren
- Kommunikationstechnik (redundante Wege über getrennte Trassen)
- Einsatzleitsystem (ELS) zur Koordination mobiler Einsatzkräfte
- Kontinuierliche Verfügbarkeit von Energie- und Kommunikationsressourcen
- Schutz vor Sabotage und technischen Ausfällen
Organisatorische Anforderungen:
- Qualifizierte Mitarbeiter (NSL-Fachkräfte gemäß VdS 2237)
- Dokumentiertes Sicherungskonzept gemäß VdS 3181
- Prozesse zur Alarmbearbeitung und Eskalation
- Dokumentations- und Berichtsverfahren
- Notfallpläne und Kontinuitätsmanagement
- Datenschutz und Informationssicherheit
- Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 (Grundlage der VdS 3138)
Qualifikation der NSL-Fachkräfte
Mitarbeiter in NSL müssen über die Qualifikation als NSL-Fachkraft (NSL-FK) oder Leitende NSL-Fachkraft (L-NSL-FK) verfügen. Die Qualifikation wird durch eine Prüfung gemäß VdS 2237 nachgewiesen.
Zulassungsvoraussetzungen:
- Nachweis von mindestens 1.000 Stunden Arbeitszeit in einer NSL, Interventionsstelle, Alarmempfangsstelle oder vergleichbaren Einrichtung
- Alternativ: Abgeschlossene Berufsausbildung als „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“, „Servicekraft für Schutz und Sicherheit“ oder „Meister für Schutz und Sicherheit“
Prüfungsinhalte:
- Rechtliche Grundlagen der NSL- und Interventionstätigkeit
- Technische Systeme und Kommunikationstechnik
- Alarmbearbeitung und Eskalationsverfahren
- Zusammenarbeit mit Behörden und Rettungskräften
- Dokumentation und Berichtswesen
- Für L-NSL-FK zusätzlich: Führung und Management
Die Prüfung erfolgt als Multiple-Choice-Verfahren durch die VdS-Zertifizierungsstelle. Bei Nichtbestehen kann die Prüfung zweimal wiederholt werden.
Modulare Architektur und Kooperationen
VdS 3138 ermöglicht eine flexible, modulare Architektur. Das NSL-Zertifikat kann von einem Alarmprovider oder Alarmdienstleister beantragt werden, der die Verantwortung für die gesamte Sicherungskette trägt. Die einzelnen Leistungen können durch Kooperationspartner oder selbst erbracht werden:
- NSL mit eigener AES – Vollständige Sicherungskette im eigenen Unternehmen
- NSL ohne eigene AES – Zusammenarbeit mit VdS-anerkanntem Alarmprovider
- Alarmprovider (AP) – Spezialisiert auf technischen Dienst, arbeitet mit Alarmdienstleistern zusammen
- Spezialisierte Leitstellen – Konzentration auf Alarmdienst und Koordination
Diese Flexibilität ermöglicht es auch kleineren Leitstellen, VdS-konform zu arbeiten, ohne alle Anforderungen der DIN EN 50518 erfüllen zu müssen.
Abgrenzung zu verwandten Normen
- DIN EN 50518 – Europäische Norm für Alarmempfangsstellen (AES), beschreibt nur den Alarmempfang, nicht das weitere Vorgehen
- VdS 2172 – Richtlinie für Interventionsstellen, fokussiert auf die Durchführung von Interventionen vor Ort
- DIN VDE V 0827-11 – Deutsche Vornorm parallel zu VdS 3138, legt Mindestanforderungen an NSL fest
- ISO 9001 – Grundlage der VdS 3138 für das Qualitätsmanagement
VdS 3138 schließt die Lücke zwischen Alarmempfang (DIN EN 50518) und Intervention (VdS 2172) und definiert die komplette Sicherungskette.
Anerkennungsverfahren
Die Anerkennung erfolgt durch die VdS Schadenverhütung GmbH als akkreditierte Zertifizierungsstelle.
Der Ablauf umfasst:
- Auftragserteilung mit Vorlage des Sicherungskonzepts gemäß VdS 3181
- Begutachtung des Sicherungskonzepts auf Einhaltung der Schutzziele
- Dokumentenprüfung aller Nachweise
- Audit vor Ort zur Prüfung der praktischen Umsetzung
- QM-Systemaudit nach ISO 9001 (kann kombiniert werden)
- Zertifikatsausstellung bei erfüllten Anforderungen
Die Anerkennung wird im öffentlichen Verzeichnis auf www.vds.de geführt.
Zielgruppen
Die Richtlinie wendet sich an:
- Sicherheitsdienstleister mit Notruf- und Service-Leitstellen
- Alarmprovider
- Errichter von Gefahrenmeldeanlagen
- Versicherungen und deren Kunden
- Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)
- Betreiber kritischer Infrastrukturen
- Rechenzentren und Lagezentren
- Leitstellen von Energieversorgern
Vorteile der VdS-Anerkennung
Für NSL-Betreiber: Qualitätsnachweis gegenüber Auftraggebern und Versicherern, Wettbewerbsvorteil, Listung im VdS-Verzeichnis, strukturierte und optimierte Prozesse.
Für Auftraggeber: Geprüfte Qualität der Sicherungskette, qualifiziertes Personal, nachvollziehbare Prozesse, Versicherungskonformität, höhere Schutzobjektsicherheit.
Für Versicherer: Minimierung von Schadensrisiken, nachprüfbare Standards, professionelle Gefahrenabwehr.
Die VdS 3138 hat sich als umfassender Standard für Notruf- und Service-Leitstellen in der deutschen Sicherheitswirtschaft etabliert.